Psychische Belastungen im Agrarbereich steigen rapide

Steigende Produktionskosten, erhöhte Bürokratie, Ernteausfälle und Extremwetterereignisse – diese und andere Themen bereiten den österreichischen Landwirtinnen und Landwirten Sorgen, wie aus einer aktuellen Studie der österreichischen Hagelversicherung hervor geht.

Drei Viertel der befragten Bäuerinnen und Bauern gaben an, dass psychische Anforderungen und Herausforderungen in den vergangenen Jahren gestiegen seien. 48 Prozent sprachen sogar von einem deutlichen Anstieg der Belastungen.

Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger, Kurt Weinberger von der Hagelversicherung und Studien-Autor Thomas Pargfrieder bei der Präsentation der Umfrage

Anlass für die Untersuchung waren laut dem Vorsitzenden der Hagelversicherung, Kurt Weinberger, die extremen Veränderungen im Klima und der damit verbundene „Wetterstress“. Er erklärt: „In einem Jahr ist es die Dürre, im nächsten Jahr sind es Unwetter mit Hagel, Überschwemmungen oder Frost. Das ist für Landwirtinnen und Landwirte eine große Belastung, da 80 Prozent ihres Ertrages vom Wetter abhängig sind.“

Die Ergebnisse der Befragung bestätigen Weinbergers Aussage: 45 Prozent der befragten Personen gaben an, dass sie durch die Wetterextreme und damit verbundene Schäden und Ernteausfälle unter Stress leiden. Zu den weiteren psychischen Beschwerden zählen Zukunftsängste, anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen oder Unausgeglichenheit. Gerade einmal 17 Prozent der Befragten gaben an, keine mentalen Probleme zu haben.
Bäuerliches Sorgentelefon

Telefonnummer:
0810 / 676 810

Erreichbarkeit:
Montag bis Freitag
8.30 bis 12.30 Uhr

Kosten je nach Ortstarif

Es zeichne sich nicht ab, dass die klimatischen Bedingungen oder die wirtschaftlichen Herausforderungen in Zukunft abnehmen werden. Aus diesem Grund spricht sich Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger für flächendeckende psychosoziale Beratungsangebote im ländlichen Raum aus. Außerdem müssten psychische Probleme enttabuisiert werden, fordert Neumann-Hartberger.

Ein Mittel dazu sei das bäuerliche Sorgentelefon, dort können Landwirtinnen und Landwirte anonym und vertraulich anrufen. Beraten werden sie von psychosozial geschulten Personen, die auch einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben. So soll Hilfe niederschwellig und auf Augenhöhe möglich sein.
Hilfsangebote eher von Frauen in Anspruch genommen

Gerade Männer würden in vielen Fällen zu wenig über ihre mentalen Probleme sprechen, erklärt Neumann-Hartberger: „Wir kennen alle die bäuerlichen Strukturen. Ein patriarchischer Bauer hat früher gesagt: Psychische Gesundheit ist für mich kein Thema. Aber das ist es mittlerweile, das müssen wir erkennen“.

Noch immer würden Beratungsangebote, wie das bäuerliche Sorgentelefon, eher von Frauen in Anspruch genommen. Es sei aber ein Wandel zu bemerken, heißt es. Mehr und mehr würden sich auch Bauern an Hilfsangebote wenden.